In welchen Städten SHIN GODZILLA läuft:
(Stand 22. März) Hier wird es in den nächsten Tagen eine vollständige Liste der teilnehmenden Kinos geben.
Alle Godzilla-Filme stammen aus dem Hause Tōhō,einem der ältesten und größten Produktionsstudios Japans. Monströses Trivia

Shin Godzilla

Das größte Monster der Filmgeschichte ist zurück – und es ist größer denn je! Zahlreiche Filmpreise und Rekord-Einspielergebnisse in Japan zeigen, dass Godzilla seit seinem ersten Auftritt 1954 kein Stück älter geworden ist. „Shin Godzilla“ ist ein absolutes Must-See und nur für kurze Zeit im Kino. Verpasse nicht diese einmalige Gelegenheit!

In der Bucht von Tokio kommt es zu unerklärlichen Ereignissen: Eine Yacht treibt auf dem Wasser, der Besitzer ist spurlos verschwunden. Zur gleichen Zeit scheint unweit davon wie aus dem Nichts ein Vulkan auf dem Meeresgrund auszubrechen. Schnell wird klar, dass die Geschehnisse von einem lebenden Organismus ausgegangen sein müssen. Erste Videos der unbekannten Kreatur tauchen auf: Es ist riesig und bewegt sich mit rasender Geschwindigkeit auf die Stadt zu.
Die Behörden müssen schnell handeln, um die Bevölkerung vor einer Katastrophe zu schützen. Doch in keinem Notfall-Plan der Welt ist geregelt, wie man mit einem unbekannten, gigantischen Monster umgeht. Einem Mitglied der Regierung werden bislang unveröffentlichte Aufsätze eines Forschers zugespielt, die das Geschöpf zu erklären versuchen – und ihm einen Namen geben: Godzilla!
Mit Hilfe der Experten setzt die Regierung alles daran, es zu besiegen, doch der Zerstörungswahn von Godzilla wird immer größer.
Wir nennen ihn Godzilla, doch in Japan kennt man das Kult-Monster nur unter seinem Originalnamen: Gojira. Monströses Trivia
Teile der Miniaturbauten aus GODZILLA, MOTHRA AND KING GHIDORAH: GIANT MONSTERS ALL-OUT ATTACK wurden später im US-amerikanischen Actionfilm KILL BILL. VOL 1 (USA 2003/Regie: Quentin Tarantino) wiederverwendet. Monströses Trivia
Das Geschlecht von Godzilla ist bis heute undefiniert. Keiner der japanischen Godzilla-Filme hat eine Antwort darauf geliefert, ob Godzilla männlichen oder weiblichen Geschlechtes ist. Monströses Trivia

INSIDE THE MONSTERDie Godzilla-Filme

Godzilla ist Kult! Kein anderes Filmmonster kann solch eine ausgeprägte Filmografie verzeichnen, wie unser aller Godzilla. Seit seinem ersten Auftritt im Jahr 1954 hat sich rund um Godzilla ein ganzes Universum gebildet, bevölkert von gigantischen Monstern und wiederkehrenden Figuren. Um der Komplexität dieses Franchises gerecht zu werden, müsste an dieser Stelle ein ganzes Buch gefüllt werden. Nachfolgend wird ein kurz gehaltener Überblick mit den wichtigsten Fakten der bisherigen Reihen gewährt.

Interpretationen

Godzilla nur auf die Funktion eines Filmmonsters zu beschränken, würde bedeuten, den sozialen und kulturellen Hintergrund der Godzilla-Filme zu ignorieren. Tatsächlich ist Godzilla mehr als nur ein Monster. Das Kult-Monster repräsentiert wie kein Zweiter das japanische Atomtrauma - es ist die cineastische Verarbeitung einer Tragödie, die Japan bis heute noch immer prägt.

Das japanische Atomtrauma

Als Produzent Tomoyuki Tanaka 1954 die Idee zu einem Monsterfilm hatte, war es sei-ne erklärte Intention, damit auch das japanische Atomtrauma aufzuarbeiten. Er wollte ein Monster haben, welches sinnbildlich für das Trauma steht, welches Japan am 6. und 9. August 1945 durch den Abwurf der Atombomben über Hiroshima und Nagasaki erlitt.
Als eine weitere tragische Inspiration diente der Vorfall des japanischen Fischkutters »Glücklicher Drache V«. Nachdem jener am 1. März 1954 in den Einflussbereich eines amerikanischen Nuklearwaffentestes geriet, wurde die gesamte 23-köpfige Mannschaft verstrahlt. Die Folge: Der Funker des Schiffes verstarb an der Strahlenerkrankung, bei sechs weiteren Crewmitgliedern wurde in den folgenden Jahren Leberkrebs diagnostiziert. Während dieser Vorfall international kaum für Schlagzeilen sorgte, zog er in Japan einen Sturm der Empörung nach sich. Auf politischer Ebene sorgte der tragische Vorfall gar dafür, dass das ohnehin seit dem 2. Weltkrieg angespannte Verhältnis zwischen Japan und den USA bedrohlich ins Wanken geriet. Der 1954 entstandene erste Godzilla-Film GODZILLA (Regie: Ishirō Honda) funktioniert somit nicht nur als perfekter Horror-/Monsterfilm, sondern auch als ein Kommentar zum japanischen Atomtrauma. Das Monster Godzilla ist die fleischgewordene Projektion für die Angst und das Leid, welches Japan durch die Atombombe und den Vorfall »Glücklicher Drache V« durchleben musste. Dass diese Metaebene bis in die 2000er-Jahre in den Godzilla-Filmen mitschwimmt, beweist z. B. GODZILLA, MOTHRA AND KING GHIDORAH: GIANT MONSTERS ALL-OUT ATTACK (Japan 2001/Regie: Shusuke Kaneko). In einer besonders eindrucksvollen Szene erzeugt Godzillas Atomstrahlattacke am Horizont eine atompilzartige Wolke, was auch von einer an einem Fenster stehenden Lehrerin beobachtet wird. Mit weit aufgerissenen Augen bringt sie als Reaktion nur ein ängstliches »Eine Atombombe?« hervor.

Das japanische Atomtrauma á la Hollywood

Ausgerechnet der zweite US-amerikanische Godzilla-Film, der 2014 inszenierte GODZILLA (Regie: Gareth Edwards), kann für sich in Anspruch nehmen, dem Kommentar zum japanischen Atomtrauma eine weitere Ebene hinzuzufügen. So ist die Anfangsszene, in welcher ein Atomkraftwerk von einem Muto angegriffen und zerstört wird, unmissverständlich durch die Nuklearkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 beeinflusst. Ist diese Szene aus westlicher Sicht verhältnismäßig leicht zu konsumieren, lag sie dem japanischen Publikum wohl schwer auf dem Magen. Zumindest der japanische Regisseur Kurando Mitsutake (GUN WOMAN) hatte seine Mühe mit dieser betreffenden Szene: »Was ich jedoch sagen möchte, ist, dass der neue GODZILLA für die japanischen Zuschauer nicht einfach anzusehen ist. Dafür sind in Japan die Erinnerungen an den Tsunami und die Atomkatastrophe von Fukushima noch zu frisch, als das man solche Szenen in einem Kinofilm präsentiert bekommen möchte.«

Weitere Interpretationsansätze

Bleiben wir noch ein wenig bei dem 2014er GODZILLA. Der Godzilla in diesem Film ist nicht einfach nur ein Monster oder Kommentar zum japanischen Atomtrauma. Vielmehr ist er eine Art Hüter der Natur, der sich nur deswegen gegen die beiden Mutos stellt, weil jene das Gleichgewicht der Erde gefährden. Auch in den japanischen Godzilla-Filmen kann Godzilla als eine Verkörperung von Mutter Natur angesehen werden. Die Beziehung zwischen Mensch und Natur wird hierbei in der Shōwa-Serie oftmals positiv dargestellt - schließlich steht Godzilla in vielen Filmen dieser Serie auf der Seite der Menschen. In der Heisei- und Millennium-Serie sieht die Situation jedoch anders aus. Hier steht Godzilla für die destruktive Seite der Natur, die dem Menschen und seiner Übertechnisierung seine Grenzen aufzeigt. Die Botschaft ist in beiden Serien stets eindeutig: Mensch und Natur bzw. Mensch und Monster werden nie einen gemeinsamen Nenner finden - auf ewig wird es nur ein Nebeneinander und kein Miteinander geben.
Godzilla kann auch als eine Verkörperung des fatalistischen Geistes der japanischen Gesellschaft angesehen werden. Eine Gesellschaft, in deren Kultur Seppuku (ritueller Selbstmord) tief verwurzelt ist und die bis heute eine der höchsten Selbstmordraten der Welt zu verzeichnen hat. Ebenso ist die japanische Gesellschaft durch ihre Geschichte geprägt - diverse Naturkatastrophen, landesinterne Konflikte und der 2. Weltkrieg haben ihre Spuren hinterlassen. Japan pflegt und hegt daher eine morbide Todessehnsucht, die wiederum in diversen Medien thematisiert wird. Nur in solch einer sozial-kulturellen Umgebung kann ein Monster wie Godzilla, welches oftmals Tod und Verderben bringt, zum Star und Kulturgut aufsteigen. Godzilla steht für das Ende, welches von vielen Japanern insgeheim und/oder unbewusst herbeigesehnt wird.
Godzilla kann aber auch für ein altes Japan stehen. Jenes Japan, welches im 2. Weltkrieg seine Ehre und seinen Stolz verloren hat. Ein Japan, das sich wieder erhebt, um sich am modernen Japan zu rächen, welches keinen Respekt mehr vor den damals erbrachten Opfern zu haben scheint. So zumindest lässt sich jener Godzilla deuten, der in GODZILLA, MOTHRA AND KING GHIDORAH: GIANT MONSTERS ALL-OUT ATTACK sein Unwesen treibt.

Shōwa, Heisei und Millennium(Die Serien)

Seit 1954 wurden in Japan insgesamt 29 Godzilla-Filme inszeniert. Aufgeteilt sind die Filme in Serien. Den Anfang machte die zwischen 1954 und 1975 entstandene Shōwa-Serie, auf welche zwischen 1984 und 1995 die Heisei-Serie folgte, bevor mit der 1999 und 2004 produzierten Millennium-Serie der ursprünglich geplante Abschluss folgte. SHIN GODZILLA eröffnet im Jahr 2016 wiederum den Neubeginn einer bislang namenlosen Reihe.

Seriennamen

Während sich der Name der Millennium-Serie aufgrund des Produktionszeitpunktes von alleine erklärt, braucht es zum Verständnis der beiden anderen Seriennamen eine kurze Erklärung. So referenzieren die Namen der Shōwa- und Heisei-Serie jeweils auf die zur Produktionszeit in Japan vorherrschende Zeit. So entstand die Shōwa-Serie während der Herrschaftsperiode von Kaiser Hirohito - der sogenannten Shōwa-Zeit. Die Produktion der Heisei-Serie startet 1989 nach dem Tod von Kaiser Hirohito, weswegen die Filme der Heisei-Serie in die Regentenperiode von Kaiser Akihito fallen - der bis heute andauernden Heisei-Zeit.

Alternative US-Versionen

In den Anfangstagen von Godzilla war es nicht unüblich, die Filme für eine internationale Auswertung zu modifizieren. Speziell im Fokus des Interesses war hierbei der nordamerikanische Filmmarkt - man wollte Godzilla auch dem amerikanischen Publikum schmackhaft machen. So kam es, dass der 54er GODZILLA nicht nur hinsichtlich des sozialen, politischen und atomaren Kontextes gekürzt wurde, es wurden auch noch zusätzliche Szenen gedreht. Jene präsentieren den kanadischen Schauspieler Raymond Burr in der Rolle des amerikanischen Journalisten Steve Martin, aus dessen Sicht die Geschichte in Form von Rückblenden erzählt wird.
Auch DIE RÜCKKEHR DES KING KONG wurde für die internationale Auswertung in der Handlung gestrafft und mit neuen Szenen »bereichert«. Diesmal sind es die beiden amerikanischen Schauspieler Michael Keith und Arnold Johnson denen die Funktion als Geschichtenerzähler und Kommentator der Handlung zukommt.
1985 gab es ein Wiedersehen mit Raymond Burr, der für die zusätzlich für GODZILLA - DIE RÜCKKEHR DES MONSTERS gedrehten Szenen nochmals seine »Rolle« aus dem 54er GODZILLA aufgriff.

Inhaltliche Verknüpfungen

Die einzelnen Filme der Shōwa-, Heisei- und Millennium-Serien können grundsätzlich unabhängig voneinander konsumiert werden. Keiner der Filme setzt ein umfangreiches Vorwissen voraus. Trotzdem gibt es in allen drei Serien Filme, die aufeinander aufbauen. In der Shōwa-Serie wäre dies zuallererst GODZILLA, der mit GODZILLA KEHRT ZURÜCK (Japan 1955/Regie: Motoyoshi Oda) direkt fortgesetzt wurde. So taucht in beiden Filmen der von Takashi Shimura verkörperte Wissenschaftler Kyōhei Yamane auf. Apropos wiederkehrende Rollen: Im dritten Godzilla-Film, dem Crossover-Spektakel DIE RÜCKKEHR DES KING KONG (Japan 1962/Regie: Ishirō Honda), gibt es ein Wiedersehen mit Dr. Shigezawa, der wie bereits in GODZILLA von Akihiko Hirata gespielt wird. Auch die beiden Abschlussfilme der Shōwa-Serie, KING KONG GEGEN GODZILLA (Japan 1974/Regie: Jun Fukuda) und KONGA, GODZILLA, KING KONG: DIE BRUT DES TEUFELS (Japan 1975/Regie: Ishirō Honda), sind inhaltlich miteinander verknüpft.
Die Heisei-Serie wiederum besitzt eine lose Chronologie, die sich nicht nur in diversen inhaltlichen Querverweisen äußert, sondern auch darin, dass in sechs von sieben Filmen Megumi Odaka als Telepathin Miki Saegusa vor der Kamera zu sehen ist. Trotzdem können die Filme in beliebiger Reihenfolge angesehen werden. Ausnahme: GODZILLA - DIE RÜCKKEHR DES MONSTERS (Japan 1984/Regie: Koji Hashimoto) und GODZILLA, DER URGIGANT (Japan 1989/Regie: Kazuki Omori), die ein inhaltliches Zweigespann bilden.
Obwohl die Filme der Millennium-Serie als autarke Werke konzipiert sind, gibt es auch hier ein Story-Duo zu entdecken. Die Rede ist von GODZILLA AGAINST MECHAGODZILLA (Japan 2002/Regie: Masaaki Tezuka) und GODZILLA: TOKYO SOS (Japan 2003/Regie: Masaaki Tezuka). Die Handlung des monstermäßig starken GODZILLA, MOTHRA AND KING GHIDORAH: GIANT MONSTERS ALL-OUT ATTACK besitzt ferner einen starken Bezug auf den 54er GODZILLA.

Die Shōwa-Serie

Die Shōwa-Serie mit ihren insgesamt 15 Filmen zeichnet sich durch eine starke tonale Schwankung aus. Am Anfang stand mit GODZILLA nicht nur die Geburt unseres liebsten Filmmonsters, sondern auch ein überraschend düsterer Horrorfilm mit starker Metaebene bezüglich des japanischen Atomtraumas. Der zweite Godzilla-Film, der 1955 entstandene GODZILLA KEHRT ZURÜCK, brach jedoch bereits mit dem Grundton des Originals. Der düstere Horror wich dem Monsterspektakel, schließlich bestreitet Godzilla in diesem Film zum ersten Mal einen Kampf gegen ein anderes Monster . Dieses »Monster vs. Monster«-Element wurde in den folgenden Filmen nicht nur ausgebaut, sondern auch in ein zunehmend familienfreundliches Gewand verpackt. Godzilla wandelte sich vom furchterregenden Monster hin zum denkenden und fühlenden Helden - er wird zum Menschenfreund. Den Höhepunkt dieser Entwicklung markiert der 1967 entstandene FRANKENSTEINS MONSTER JAGEN GODZILLAS SOHN (Regie: Jun Fukuda), in welchem Godzilla mit Minilla tatsächlich ein Sohn zur Seite gestellt wird. Jener hält sein Elternteil ordentlich auf Trab und strapaziert mit seinem Getue die Nerven der erwachsenen Zuschauer. Erst mit KING KONG GEGEN GODZILLA und dessen Nachfolger KONGA, GODZILLA, KING KONG: DIE BRUT DES TEUFELS, dem letzten Film der Shōwa-Serie, kehrte wieder ein ernsthafter Grundton in die Serie zurück.

Die Heisei-Serie

Zehn Jahre nach dem Ende der Shōwa-Serie stampfte Godzilla in GODZILLA - DIE RÜCKKEHR DES MONSTERS wieder über die Leinwand. Es war der Beginn der sieben Filme umfassenden Heisei-Serie, die ganz dem Zeitgeist entsprechend in Sachen Produktionsdesign und Effekte keine Wünsche offen lassen sollte. Dabei wurde bewusst darauf geachtet, sich von dem oftmals familienfreundlichen Ton der Shōwa-Serie zu distanzierten. So präsentiert GODZILLA - DIE RÜCKKEHR DES MONSTERS einen Godzilla, der wie anno 1954 furchteinflößend und alles zerstörend daherkommt. Godzilla ist kein Menschenfreund mehr, sondern ein animalisches Monster. Spätestens ab dem zweiten Film GODZILLA, DER URGIGANT ist Godzilla sowohl in seinem Auftreten wie auch in seinem brachialen Erscheinungsbild (breiter und größer als je zuvor) eine Naturgewalt von einem Monster. Nicht umsonst betrachten viele Fans bis heute den Godzilla der Heisei-Serie als die beste Verkörperung ihres Lieblingsmonsters.
Natürlich gibt es in der Heisei-Serie auch wieder Monsterkämpfe en masse. Diesbezüglich stellt GODZILLA GEGEN MECHAGODZILLA II (Japan 1993/ Regie: Takao Okawara) mit seinen Fights zwischen Godzilla, Rodan und Mechagodzilla ein Highlight der Serie dar. Ebenfalls führt der Film Baby Godzilla ein, der im folgenden GODZILLA VS. SPACEGODZILLA (Japan 1994/Regie: Kensho Yamashita) als Little Godzilla seinen Auftritt hat und im dramatischen Abschluss der Heisei-Serie GODZILLA VS. DESTOROYAH (Japan 1995/Regie: Takao Okawara) als Godzilla Jr. das Erbe seines Elternteils antritt.

Die Millennium-Serie

Schneller als gedacht, nämlich vier Jahre nach Ende der Heisei-Serie, kehrte Godzilla zurück. Nachdem der US-amerikanische Godzilla-Film GODZILLA (1998/Regie: Roland Emmerich) in Japan alles andere als gut aufgenommen wurde, beschlossen die Verantwortlichen bei Tōhō den echten Godzilla wieder zurückzuholen. Die Millennium-Serie war geboren, und zwar mit dem Anspruch alles Bisherige in den Schatten zu stellen. Entsprechend knallt und kracht es in den sechs Filmen der Millennium-Serie an allen Ecken und Enden. Als Zuschauer kommt man aus dem Staunen fast nicht mehr heraus, so atemberaubend wird innerhalb der Millennium-Serie die Verschmelzung von Suitmation, Miniaturbauten und modernen CGI-Effekten zelebriert. Die ohnehin aufwendig produzierte Heisei-Serie findet in der Millennium-Serie ihren Meister. Was beide Serien miteinander verbindet, ist, dass auch der Godzilla der Millennium-Serie kein Menschenfreund, sondern ein zerstörerisches Monster ist. Das Highlight der Serie bildet hierbei zweifellos der kolossal inszenierte GODZILLA, MOTHRA AND KING GHIDORAH: GIANT MONSTERS ALL-OUT ATTACK, dessen Handlung den wohl bösesten Godzilla jemals präsentiert. Mit einer geradezu sadistischen Lust fällt Godzilla über Japan her: Da wird mit dem Atomstrahl auch schon einmal ein ganzer Straßenzug mit Samt flüchtender Menschen pulverisiert oder der wehrlose Baragon mit Fußtritten malträtiert. Mit seiner radikal brachialen Inszenierung und den oftmals weit gefassten Bildern, die ein nie da gewesenes Gefühl für die Zerstörung vermitteln, begeistert der Film bis heute die Fans.
Bei vielen Fans ebenfalls hoch im Kurs steht der Abschluss der Millennium-Serie. Unter der Regie von Kult-Regisseur Ryūhei Kitamura (VERSUS) entstand 2004 mit GODZILLA: FINAL WARS so etwas wie der ultimative Godzilla-Film. Ultimativ deswegen, weil der zum 50. Jubiläum der Godzilla-Reihe gedrehte Film ein wahres All-Star-Aufgebot an bekannten Monstern aus dem Godzilla-Universum auffährt. Neben den üblichen Verdächtigen wie Mothra, King Ghidorah und Minilla, wären dies Rodan, Anguirus, King Caesar, Kamacuras, Kumonga, Manda, Ebirah, Gigan und Hedorah. Andere Monster wie Varan, Baragon, Gaira, Gezora, Titanosaurus, Megaguirus, Fake Godzilla und Godzilla Junior sind ebenfalls zu sehen, jedoch nur in Form von Stock Footage. Und auch der US-CGI-Godzilla hat in diesem Film einen Auftritt und bekommt dabei seine verdiente Abreibung.

Faszination Godzilla(oder: Eine Liebeserklärung)

Der bekennende Godzilla-Fan kennt die Situation: Ein Außenstehender, der noch nie einen Film mit dem japanischen Monster gesehen hat, stellt die Frage aller Fragen: Wo-rin liegt die Faszination dieser Filme? Nun, mitunter an Folgendem.

Der besondere Reiz

Mit fast verständnislosem Blick für die Eskapaden von Godzilla und Konsorten wird von Außenstehenden der Reiz jener Werke hinterfragt, deren Geschichten stets um gigantische Monster kreisen und in einer ausufernden Zerstörungsorgie gipfeln. Wo der Fan deswegen freudig verzückt, schüttelt der Unkundige nur den Kopf. Oder anders gesagt: Das Flair dieser charmant unperfekten Filme erschließt sich ihm nicht. Doch genau dies braucht es, um die vielen Abenteuer von Godzilla zu goutieren. Man muss sich auf die Filme einlassen und eine Inszenierung akzeptieren, die auch als solche zu erkennen ist. Die perfekte Illusion sucht man vergebens - und genau so soll es auch sein. Wo in Hollywood stets nach absoluter Perfektion gestrebt wird, bilden die Godzilla-Filme und die japanischen Monster-Filme im Allgemeinen gewissermaßen das Gegenstück. Während der US-amerikanische Mainstream-Film dank Hochglanzoptik und Effektgewitter zunehmend jegliche Seele vermissen lässt, punkten die ebenfalls im Mainstream verwurzelten Godzilla-Abenteuer mit ihrem ursprünglichen Geist. Denn obwohl sich die Filme um den Urgiganten beileibe nicht dem technischen Fortschritt verschließen und vor allem in der Millennium-Serie CGI-Effekte Verwendung finden, bildet die »traditionelle Inszenierungsweise« stets das Fundament für die Monster-Action. Egal, ob im 54er GODZILLA oder dem 2004 entstandenen GODZILLA: FINAL WARS, Suitmation und Miniaturbauten kommen in allen Filmen zum Einsatz. Während andere weltweit erfolgreiche Filmreihen über die Jahre hinweg radikal verändert und dabei oftmals verschlimmbessert wurden, bilden die Godzilla-Filme eine Konstante. Und genau darin wurzelt die Faszination der Godzilla-Reihe. Man weiß, was man bekommt. Als Fan fühlt man sich sozusagen zu Hause. Und daher lässt man sich noch so gerne immer wieder auf ein (gigantisch monströses) Familientreffen mit Godzilla, King Ghidorah, Mothra und Co. ein.

Die Lust an der Zerstörung

Die Faszination an den Godzilla-Filmen äußert sich noch in einem weiteren Aspekt. Es ist die Lust an der Zerstörung. Wir kennen ihn alle, den diabolischen Spaß aus unseren Kindheitstagen, wenn wir im Sandkasten eine Sandburg plattgemacht haben oder randalierend eine Lego-Stadt auseinandergenommen haben. Sich einen Godzilla-Film anzusehen weckt somit bei uns allen Erinnerungen an selige Kindheitstage. Natürlich wird auch in Hollywood die Lust an der Zerstörung zelebriert, man nehme z. B. nur all die Filme von Michael Bay. Doch die bereits erwähnte Perfektion steht einer Assoziation zu unserer Kindheit im Wege. Anders verhält es sich bei den Godzilla-Filmen, die durch ihren naiven Charme einen direkten Rückschluss zu unserer Kindheit zulassen. All die Miniaturbauten, die im Laufe der Handlung zerstört werden, tragen zu einer Identifikation mit Godzilla bei. Schließlich waren wir alle mal ein kleiner Godzilla, der stampfend und brüllend für Chaos und Verwüstung sorgte. Sich einen Godzilla-Film anzusehen bedeutet somit auch, wieder ein Kind zu sein. Sich wieder jener Unschuld bewusst zu werden, die wir als Erwachsener längst verloren haben. Wieder jenen anarchistischen Spaß zu empfinden, welchen man so nur als Kind ungestraft ausleben darf. In diesem Sinne: Danke Godzilla!

Text: Splendid Film / Nando Rohner • Lektor: Kurt Meinicke
Bis heute gilt GODZILLA: FINAL WARS als der teuerste (japanische) Godzilla-Film aller Zeiten. Monströses Trivia
Zu den bekanntesten und härtesten Godzilla-Gegnern zählt der dreiköpfige Drache King Ghidorah. Ursprünglich steht King Ghidorah stets auf der Seite des Bösen, nur in einem Film, nämlich GODZILLA, MOTHRA AND KING GHIDORAH: GIANT MONSTERS ALL-OUT ATTACK, tritt er als gutes Monster in Erscheinung. Monströses Trivia